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MitteilungVeröffentlicht am 3. Mai 2024

Entwicklung und aktueller Stand Dachstrategie Digitale Transformation der Armee

Für die diversen Arbeiten und Projekte im Bereich Digitalisierung fehlte in der Gruppe V bisher ein übergeordneter Rahmen. Im Auftrag des Chefs der Armee erarbeitete ein 15-köpfiges Team aus allen Bereichen der Gruppe V die Dachstrategie Digitale Transformation der Armee (DxDA). Defensio sprach mit dem Leiter des Teams, Thomas Fankhauser (Chef Hauptabteilung Informations- und Kommunikations-Technologie Gruppe Verteidigung) über die Entwicklung und den Stand der DxDA. Zudem beantwortete das Teammitglied Nico Kern (Kdo Ausb) drei Fragen zu Entstehung der Dachstrategie.

Text: Kommunikation Verteidigung, Christian Bärtschi
Bilder: VBS/DDPS, Christian Bärtschi
Video: VBS/DDPS, DMA

Herr Fankhauser, wie entstand die Dachstrategie Digitale Transformation (DxDA)?

Bereits in der Vision der Gruppe Verteidigung bestand die Absicht, mehr im Bereich Digitalisierung zu tun. Der Chef der Armee bekräftigte dies im August 2023 in der Broschüre «Die Verteidigungsfähigkeit stärken – Zielbild und Strategie für die Armee der Zukunft». Diese nannte unter anderem die Nutzung fortschrittlicher Technologien zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Obwohl sich in der Gruppe V bereits viele mit Digitalisierung beschäftigten, fehlte ein übergeordneter Rahmen. Der CdA entschied, die besten Köpfe an einem externen Ort zu versammeln, um in drei Wochen eine Dachstrategie zu entwickeln. Ich durfte das leiten.

Wer erarbeitete die Dachstrategie?

Der Chef der Armee und ich wählten 13 Leute aus allen Bereichen der Gruppe V und der armasuisse – plus einen externen Strategieberater. Diese Kollegen wurden für die drei Wochen weitgehend von ihren Linien und Projektaufgaben befreit, um sich voll der DxDA zu widmen.

Alle Teammitglieder

Justus Johannes Bernold (ASTAB), André Brügger (Kdo Op), Thomas Fankhauser (ASTAB), Diego Heinen (ASTAB), Alain Jaquier (armasuisse), Nico Kern (Kdo Ausb), Chris Erik Mauron (Kdo Cy), Niklaus D. Wildberger (extern), Dominique Plüss (Kdo Op), Vincent Schmuki (ASTAB), Benno Schürpf (LBA), Johannes Stäger-Wilhelm (ASTAB), Gion Walser (Kdo Op), Manuel Weibel (Kdo Cy), Dominik Winter (ASTAB)

Wie lief die Zusammenarbeit?

In den ersten drei Tagen brachten alle Teammitglieder ihre Ideen zur Digitalen Transformation ein. Das Finden eines gemeinsamen Ansatzes war herausfordernd. Dieses Ringen um gemeinsame Ansätze sowie das Etablieren des Teamgeists haben mich begeistert. Alles in allem zeigten wir eine tolle Lernkurve und wurden rasch produktiv.

Gibt es erste Resultate zur Umsetzung der Dachstrategie?

Ja, die gibt es: Ein Thema ist die Standardisierung, die unser Team in der DxDA verschriftlicht hat. Themen, wie die Verwendung der taktischen Begriffe in Befehle auf Englisch können nun breit abgestützt in der digitalen Transformation diskutiert werden. Der Nutzen wird im digitalen Gesamtkontext besser ersichtlich.

Standardisieren heisst, wir müssen systemübergreifend optimieren statt Einzelsysteme zu verbessern. Künftig brauchen wir vielleicht drei Klicks statt einen, ändern aber zeitgleich (weil standardisiert) dieselbe Information in jedem System.
Thomas Fankhauser

Ein zweites Thema ist die Klassifizierung: Bei der Standardisierung sind die helvetischen Klassifizierungen INTERN - VERTRAULICH - GEHEIM hinderlich; sie lassen sich schlecht in ein System integrieren, dem z.B. eine NATO-Klassifizierung zugrunde liegt. Nun prüfen unsere Juristen, wie sich internationale Notifikationen für die Klassifizierung in die Schweizer Gesetzes- und Verordnungslandschaft übernehmen lassen.

Ein dritter Punkt ist der Paradigma Wechsel von «need to know» zu «need to share» im Bereich Daten, was eine neue Denkweise erfordert. Dank der DxDA beginnen die Leute, selbst in die erwünschte Richtung zu denken. Wir sehen dafür bereits gute Beispiele.

Haben Sie ein Beispiel für den «need to share»-Ansatz?

Bei «need to know» fragt Soldat Steiner seinen Vorgesetzten nach einer Information, die – wenn er berechtigt ist – mit ihm geteilt wird. Bei «need to share» erhält er automatisch alle Infos, zu denen er berechtigt ist. Das ist stark vereinfacht. Gleichzeitig ist der Vorteil der höheren Geschwindigkeit offensichtlich, dieser Unterschied ist entscheidend für eine Armee.

Die Digitale Transformation fokussiert vorerst auf die Teilbereiche Mensch und Daten. Warum?

Bis 2030 wollen wir bei Menschen und Daten die grössten Fortschritte erzielen, um die Datenkompetenz und eine datenorientierte Denkweise zu fördern. Das bildet die Basis für die übrigen Teilbereiche. Letztlich müssen wir in allen Bereichen Fortschritte machen.

Gibt es Learnings aus der Entwicklung der Dachstrategie?

Ja. Erstens lohnt sich der Fokus auf ein Thema für einen begrenzten Zeitraum, wie wir es bei der Erarbeitung der DxDA umgesetzt haben. Zweitens gibt es in Organisationen viel mehr Vorwissen, als wir gemeinhin annehmen. Auch die Gruppe V hat ein unglaubliches Potenzial, wir müssen es nur nutzen.

Dachstrategie Digitale Transformation und weitere Initiativen

Nebst der Digitalen Transformation der Armee existieren zurzeit zwei weitere Initiativen: Digitalisierung Milizarmee (DIMILAR) befasst sich mit der Digitalen Transformation der Miliz. In der Militärverwaltung läuft eine Initiative namens Strategische Initiative Digitalisierung der Verwaltung (SI). Es gibt viele Gemeinsamkeiten in diesen unterschiedlichen Initiativen. Ein Beispiel ist der Ansatz «need to share».

Drei Fragen an Nico Kern, Kdo Ausb, zur Dachstrategie Digitale Transformation

Wie haben Sie die drei Wochen erlebt, in denen Ihr Team die Dachstrategie Digitale Transformation erarbeitet hat?

Durch das Speed-Dating am ersten Tag lernten wir uns schnell kennen. Die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams hat mich von Anfang an überzeugt und gab mir das Gefühl, dass das Team über das nötige Wissen verfügt, um das vorgegebene Ziel – die Erarbeitung der Dachstrategie – zu erreichen. Das Arbeitsklima war jederzeit angenehm.

Wo sehen Sie die grössten Vorteile der Dachstrategie für das Gesamtsystem Schweizer Armee?

Die Dachstrategie gibt in verschiedenen Bereichen die Richtung vor, wie die digitale Transformation realisiert werden kann. Zudem zeigt der Bericht klar auf, welche Massnahmen umgesetzt werden müssen, um das beschriebene Ambitionsniveau zu erreichen.

Was bringt die Dachstrategie der Truppe?

Auf dem modernen Gefechtsfeld entscheidet der Wissens- und Entscheidvorsprung gegenüber einem Gegner über Sieg und Niederlage. Wer schneller agiert, erleidet keine oder weniger Verluste. Wir sind es der Truppe schuldig, ihr im Konflikt- oder Kriegsfall das bestmögliche System zur Verfügung zu stellen. Die Dachstrategie schafft dafür die nötigen Voraussetzungen.