Konjunkturprognose: Unterdurchschnittliches Wachstum im Jahr 2026
Bern, 18.03.2026 — Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes senkt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz leicht. Für das Jahr 2026 prognostiziert sie ein unterdurchschnittliches Wachstum von 1,0 %, gefolgt von 1,7 % im Jahr 2027 (Prognose von Dezember 2025: 1,1 % respektive 1,7 %). Der Krieg im Nahen und im Mittleren Osten führt zu höheren Energiepreisen und zu einem weiteren Anstieg der Unsicherheit.
Im 4. Quartal 2025 wuchs das BIP der Schweiz um 0,2 % nach einem Rückgang von 0,4 % im Vorquartal. Damit stabilisierte sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zum Jahresende. Die bisher verfügbaren Daten und Umfragen deuten für das laufende 1. Quartal auf ein erneutes Wachstum des BIP.
Mit dem Krieg im Nahen und im Mittleren Osten sind die internationalen Energiepreise seit Ende Februar stark angestiegen. Dies trübt die internationalen Konjunkturaussichten und lässt höhere Inflationsraten erwarten, unter anderem in europäischen und asiatischen Handelspartnerländern. Die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen und im Mittleren Osten und damit seine wirtschaftlichen Auswirkungen sind aber äusserst unsicher.
Vor diesem Hintergrund erhöht die Expertengruppe ihre technische Annahme für die durchschnittlichen Erdölpreise im laufenden und im kommenden Jahr. Basierend darauf ist für 2026 eine etwas höhere Inflation als bisher zu erwarten (0,4 %; Prognose von Dezember: 0,2 %) sowie eine leicht schwächere Dynamik der privaten Konsumausgaben. Daneben bremsen das gedämpfte Wachstum der Weltnachfrage und der hoch bewertete Franken die exponierten Bereiche der Exportwirtschaft. Dies lastet wiederum auf der Investitionstätigkeit. Insgesamt senkt die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose für die Schweiz leicht. Für das Jahr 2026 erwartet sie ein unterdurchschnittliches Wachstum des Schweizer BIP von 1,0 % (Prognose von Dezember: 1,1 %).
Im Jahr 2027 dürfte sich das Wachstum der Schweizer Wirtschaft auf 1,7 % beschleunigen, bei einer jahresdurchschnittlichen Inflation von 0,5 % (unveränderte Prognosen). Die Weltnachfrage sollte sich moderat beschleunigen. Das europäische Ausland, insbesondere Deutschland, dürfte sich allmählich von der aktuellen Schwächephase erholen, was auch die Schweizer Wirtschaft stützt. Eine steigende Auslastung der Produktionskapazitäten lässt die Investitionsdynamik moderat anziehen.
Die Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt sich am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 auf 3,0 % steigen und erst 2027 auf durchschnittliche 2,8 % zurückgehen. Die leichte Abwärtsrevision gegenüber der Prognose von Dezember (3,1 % respektive 2,9 %) ist insbesondere auf die etwas günstigere Entwicklung zum Jahresende 2025 zurückzuführen.
Konjunkturrisiken
Der Krieg im Nahen und im Mittleren Osten hat seit Ende Februar zu Anstiegen der internationalen Erdöl- und Gaspreise geführt; die Marktentwicklung ist sehr volatil. Die weitere Entwicklung des Konflikts ist unsicher und birgt Risiken für die weltwirtschaftliche Entwicklung. So könnte eine lang anhaltende Beeinträchtigung der Energieinfrastruktur oder der Transportwege in der Region die Preise weiter steigen lassen. In einem solchen Szenario würde die Weltwirtschaft zusätzlich belastet, und die Inflation stiege weltweit. Auch in der Schweiz wäre mit schwächerem Wachstum sowie höherer Teuerung zu rechnen.[1]
Daneben bleibt die Unsicherheit im Zusammenhang mit der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik bestehen. Die vorliegende Prognose basiert auf der technischen Annahme, dass die US-Importzölle auf dem aktuellen Niveau bleiben. Veränderungen der US-Zolltarife sowie zusätzliche Zölle sind jedoch möglich, etwa nach Auslaufen der aktuellen Regelung in den USA.[2]
Auch weitere Konjunkturrisiken bleiben bestehen. Neuerliche Korrekturen an den Finanzmärkten sind möglich. Die Risiken im Zusammenhang mit der globalen Verschuldung, insbesondere von Staaten, bleiben hoch. Bei einer Materialisierung verschiedener Risiken wäre mit weiterem Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zu rechnen.
[1] Vgl. das ergänzende Szenario des SECO im Kapitel « Konjunkturprognose » der « Konjunkturtendenzen Frühjahr 2026 ».
[2] Die aktuellen Zölle in Höhe von 10 % basieren auf « Section 122 » des US-Handelsgesetzes und können ohne Zustimmung des Kongresses für maximal 150 Tage aufrechterhalten werden. Dies wäre am 24. Juli 2026 der Fall.
