Zivildiensteinsätze im Schulwesen: Evaluation bestätigt Wirkung
Thun, 17.03.2026 — Die vom Bundesamt für Zivildienst ZIVI in Auftrag gegebene externe Evaluation des Tätigkeitsbereichs Schulwesen zeigt: Zivildienstpflichtige unterstützen die schulische Bildung und übernehmen Aufgaben, die sonst zu einem grossen Teil nicht ausgeführt würden. Damit tragen sie zu einer verbesserten Qualität des Unterrichts und der Betreuung bei.
Das Bundesamt für Zivildienst ZIVI liess den Tätigkeitsbereich Schulwesen im Jahr 2025 durch das Evaluationsbüro INFRAS durchleuchten. Anlass dafür war das zehnjährige Bestehen dieses Tätigkeitsbereichs. Der Aufbau des Tätigkeitsbereichs Schulwesen schaffte neue Einsatzmöglichkeiten. Sie entlasten die Gesellschaft bei einem wichtigen Auftrag der Kantone und Gemeinden. Die Evaluation erfolgte vor dem Hintergrund des zunehmenden Bedarfs an Unterstützungsleistungen im Schulwesen. Im Fokus stand die Wirkung der Einsätze, der Bedarf an personeller Unterstützung im Schulwesen, sowie die Bedeutung dieses Tätigkeitsbereichs für den Vollzug des Zivildienstes.
Öffentliches Interesse für Einsätze an Schulen
Der Tätigkeitsbereich «Schulwesen: Vorschulstufe bis Sekundarstufe II» wurde, nach einer kontrovers geführten politischen Diskussion, durch eine Änderung des Zivildienstgesetzes per 1. Juli 2016 eingeführt. 2024 waren 557 Einsatzbetriebe im Schulwesen anerkannt, davon 93 Prozent öffentliche Institutionen. Die Einsätze fanden mehrheitlich in der Primarstufe inkl. Kindergärten statt (72%), gefolgt von Sekundarstufe I (12%), Tagesschulen (11%) und Sekundarstufe II (4%). Zivildienstpflichtige unterstützen insbesondere den Unterricht, dürfen jedoch nicht selbst die Verantwortung für diesen übernehmen. Sie erfüllen Aufgaben, für die sonst nicht genügende Ressourcen zur Verfügung stehen, begleiten Aktivitäten, unterstützen Lehrpersonen und tragen zu einer individuelleren Förderung der Schülerinnen und Schüler bei. Neben dem Unterricht leisten sie wichtige Beiträge in der Betreuung, beispielsweise im Rahmen von Mittagstischen, Schullagern und anderen schulischen Anlässen, und unterstützen in administrativen und hausdienstlichen Tätigkeiten.
Gesellschaftlicher Bedarf mit regionalen Unterschieden
Der Umfang der Zivildiensteinsätze im Schulwesen unterscheidet sich regional stark. Die Evaluation bestätigt ein öffentliches Interesse und einen klaren gesellschaftlichen Bedarf: Zivildienstpflichtige verbessern nachweislich die Qualität des Unterrichts und der Betreuung, stärken soziale und überfachliche Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen und fördern die Chancengerechtigkeit. Sie sind, insbesondere als altersnahe männliche Bezugspersonen, eine wertvolle Ergänzung im Schulalltag. Die Untersuchung zeigt zudem, dass keine flächendeckende Konkurrenzsituation zu Schulassistenzen besteht; die Rollen unterscheiden sich klar.
Wachsende Zahl an Zivildiensteinsätzen im Schulwesen
Von Bedeutung ist der Tätigkeitsbereich Schulwesen auch für den Vollzug des Zivildienstes. Mit 18,1 Prozent aller Diensttage im Jahr 2025 trägt er wesentlich zur Sicherstellung ausreichender Einsatzplätze bei.
Der Umfang der Zivildiensteinsätze im Schulwesen unterscheidet sich regional und kantonal stark. Die Evaluation zeigt gleichzeitig, dass ein Wegfall der Einsätze kaum ohne Verluste in der Bildungsqualität kompensiert werden könnte. Viele Einsatzbetriebe könnten Zivildienstpflichtige nur teilweise ersetzen. Dies erfolgt häufig durch Schulassistenzen oder Praktikantinnen und Praktikanten, jedoch zu höheren Kosten und mit geringerer Flexibilität. Zahlreiche Aktivitäten, Anlässe und Unterstützungsangebote würden entfallen.
Optimierungen vorgeschlagen
Aus den Empfehlungen der Evaluatoren zur Optimierung der Zivildiensteinsätze im Schulwesen verfolgt das ZIVI zwei konkrete Massnahmen: Die obligatorischen Vorbereitungskurse für Zivildienstpflichtige mit Einsätzen im Schulwesen sollen besser auf die Bedürfnisse der Einsatzbetriebe angepasst werden. Zudem werden administrative Abläufe weiter digitalisiert.
Das ZIVI beurteilt die Ergebnisse als Bestätigung, dass Einsätze im Tätigkeitsbereich Schulwesen den gesetzlichen Vorgaben zu Zweck und Zielen des Zivildienstes entsprechen. Vorbehalte und Befürchtungen, die vor Einführung geäussert wurden, werden durch die Ausgestaltung der Pflichtenhefte für die Einsätze und durch unangekündigte Inspektionen vor Ort Rechnung getragen.

Weiterführende Informationen
Bericht Evaluation der Zivildiensteinsätze im Tätigkeitsbereich Schulwesen
