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MedienmitteilungVeröffentlicht am 11. März 2026

Der Rat für Armutsfragen in der Schweiz nimmt Form an

Bern, 11.03.2026 — Die Mitglieder des ersten Rates für Armutsfragen in der Schweiz sind nun bekannt. Es handelt sich überwiegend um Menschen mit Armutserfahrung. Der Rat hat die Aufgabe, die politische Teilhabe von armutserfahrenen Menschen zu stärken und innovative Lösungen zur Prävention und Bekämpfung von Armut zu fördern.

Mit der Einsetzung des Rates für Armutsfragen tritt das Pionierprojekt zur dauerhaften Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung in eine neue Phase und setzt Impulse für die Armutspolitik in der Schweiz. Der Rat besteht aus zwölf armutserfahrenen Personen mit Stimmrecht und sechs Fachleuten mit beratender Stimme. Die Bündelung von Erfahrungswissen und fachlicher Expertise in einem Gremium ermöglicht die Entwicklung von konkreten Lösungsansätzen zur Armutsbekämpfung, die in der sozialen Realität verankert sind und dem politischen Kontext Rechnung tragen.

Über 80 Bewerbungen

Insgesamt über 80 Personen haben ihre Bewerbung für eine Ratsmitgliedschaft eingereicht. Aufgrund des breiten Interesses konnten Frauen und Männer ernannt werden, die nicht nur alle Regionen, sondern auch verschiedene Altersgruppen, Hintergründe, Lebensläufe und Fachbereiche repräsentieren (unter anderem: NGO, Behörden, Politik, Wissenschaft). Gewählt wurden die Ratsmitglieder von einem unabhängigen Gremium, das die Nationale Plattform gegen Armut eingesetzt hat. Die Plattform wird gemeinsam von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden sowie Organisationen der Zivilgesellschaft getragen.

Der Rat für Armutsfragen wird in diesem Frühjahr als unabhängiger, auf nationaler Ebene tätiger Verein gegründet. Er ist eines von vier Elementen der nationalen Struktur zur Prävention und Bekämpfung von Armut, neben der Plattform, dem Armutsmonitoring und der Armutsstrategie, die der Bundesrat 2027 verabschieden wird. In dieser Konstellation entwickeln Bund, Kantone, Gemeinden und zivilgesellschaftliche Akteure die Armutspolitik gemeinsam weiter. Der Rat bringt dort die Perspektiven von armutserfahrenen Personen ein. Er verfolgt seine Aufgaben eigenständig und unabhängig.

Pilotphase bis 2028

Bis 2028 läuft eine Pilotphase. In dieser ersten Phase wird der Rat insbesondere seine Prioritäten und Arbeitsweise festlegen, sein Netzwerk ausbauen und sich gegenüber den relevanten Kreisen und der Öffentlichkeit positionieren. Bei der Finanzierung kann sich der Rat auf die Ernst Göhner Stiftung, die Christoph Merian Stiftung und das Migros-Kulturprozent stützen. Die Finanzierung ist jedoch nicht vollständig gesichert und es werden weitere Förderinnen und Förderer gesucht. Mitte 2028 ist eine Evaluation der Pilotphase geplant.

Zusammensetzung des neuen Rates für Armutsfragen:

Beschlussfähige Mitglieder

  • Brechbühl, Denise, Opfikon (ZH)
  • Caduff-Cadurisch, Kerstin, Basel (BS)
  • Conde, Amine Diare, Zürich (ZH)
  • Donzallaz, Karine, Fribourg (FR)
  • Gaggero, Patrizia, Lugano (TI)
  • Gebel, Catherine, Porrentruy (JU)
  • Lehmann, Simone, Zug (ZG)
  • Lüthi, Sarah, Bern (BE)
  • Ndo Ndjié, Jean-Marie, Martigny (VS)
  • Rizzo, Michelangelo, Laufen (BL)
  • Vukasovic, Christian, Biel/Bienne (BE)
  • Wenk, Anastasia, St. Gallen (SG)

Beratende Mitglieder

  • Carnal, Pierre-Yves, Rossemaison (JU)
  • Habegger, Rahel, Zürich (ZH)
  • Masé, Aline, Zürich (ZH)
  • Patullo, Annamaria, Morbio Inferiore (TI)
  • Pinon, Mélanie, Meyrin (GE)
  • Schneider, Elena, Sissach (BL)

Partizipativer Prozess

Der Vorschlag für einen Rat für Armutsfragen wurde zwischen 2022 und 2025 in einem breit abgestützten partizipativen Prozess im Rahmen der Nationalen Plattform gegen Armut im Bundesamt für Sozialversicherungen entwickelt. Über 50 armutserfahrene Personen und ihre Organisationen sowie Fachleute aus allen föderalen Ebenen waren an der Entwicklung beteiligt und legten insbesondere die Kriterien für die Ratsmitgliedschaft fest.

Weitere Informationen: Rat für Armutsfragen in der Schweiz